Orlando: Mehr als nur ein Amoklauf

von Robin Reantaso (Kommentare: 0)

Der Amoklauf eines Mannes in Orlando ist mehr als nur ein Akt des Hasses. Es ist das Symptom einer Gesellschaft.

(Photo: Jim Young/Reuters; Quelle: yahoo.com)

Islamophobie und die umstrittene Reaktion der Öffentlichkeit

Noch in der Nacht zum 12. Juni habe sich Omar Mateen telefonisch zum IS bekannt, welche sich im Nachhinein selbst ebenso zur Tat bekannte. Trotz beidseitiger Bestätigung und zweimaliger Untersuchung Mateens durch das FBI nach Verbindungen zum IS in den Jahren zuvor, wird eine Beteiligung des IS von den Behörden offiziell ausgeschlossen.

Bevor Mateens Zugehörigkeitsgeständnis an die Öffentlichkeit gelangte, war jedoch schon von einem terroristischen Anschlag die Rede. Die afghanische Herkunft seiner Eltern und sein Name wurden in den Vordergrund gerückt. Seitens der Republikaner gab es große Vorwürfe gegenüber des amerikanischen Staatspräsidenten Obama, da dieser in seiner Rede nicht die Worte „radical Islamic terrorism“ nutzte. Wie es mit der Wahrheit aussah, und wie es überhaupt so weit kommen konnte schien in vielen Berichterstattungen und vor allem für rechts-einzuordnende Parteien nicht von großer Relevanz gewesen zu sein.

Im Verlauf der Diskussion wurde die Stimme der LGBT*-Community immer lauter, da diese zeitgleich von den Medien innerhalb der Berichterstattung deutlich vernachlässigt wurde. Während viele Staatsoberhäupter innerhalb ihrer Beileidsbekundungen die angegriffene LGBT*-Community erwähnte oder hervorhob, kam es anderer Orts zur Auslassung dieses ausschlaggebenden Faktes. So verlässt zum Beispiel ein Reporter während einer Live-Übertragung das Sky News Studio, aus Empörung über die Worte seiner Diskussionsteilnehmer, welche betonen, dass die LGBT-Community keinen Besitzanspruch auf das Grauen habe, und den Fakt für irrelevant befinden, dass vom Täter 100 Meilen zurückgelegt, nur um in einem LGBT*-Club das Feuer zu eröffnen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gab in ihrer Rede keinerlei Hinweise auf einen expliziten Angriff auf die LGBT*-Community und sprach hingegen von einem offenen und toleranten Leben das fortgeführt würde. Die Reaktionen seitens der LGBT*-Gemeinschaft war äußerst negativ – ist „tolerieren“ doch nur ein Synonym für „dulden“ und wurde die LGBT*-Gemeinschaft mit keinem Wort erwähnt. Wenn auch erst einer Woche Verspätung, kam es am vergangen Wochenende zur Solidaritätsbekundung durch das Bescheinen des Brandenburger Tors mit den Farben der LGBT*-Flagge. Anderer Orts geschah dies jedoch innerhalb von Stunden nach dem Anschlag.

Das Waffengesetz der USA

Übersetzt besagt der zweite Zusatzartikel der Vereinigten Staaten von Amerika:

„Das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und tragen, darf nicht beeinträchtigt werden; eine gut bewaffnete und wohlgeordnete Miliz stellt die beste Sicherheit eines freien Landes dar, jedoch darf niemand, der aus religiöser Überzeugung gegen Waffengewalt ist, gezwungen werden, in eigener Person Militärdienst abzuleisten.“

Dies ist für viele Menschen Amerikas Grund genug die nationalen Waffengesetze nicht zu verschärfen. Auch in Florida sind die Gesetze eher nachlässig:

Die Bedingungen für den Kauf einer Handfeuerwaffe sind zwar etwas strikter als die für Gewehre und andere Langfeuerwaffen, jedoch unterscheiden sie sich nur in folgenden zwei Punkten: Bei Handfeuerwaffen gibt es eine obligatorische Wartezeit von 72 Stunden und man muss 21 Jahre alt sein um eine solche Waffe zu erwerben. Langfeuerwaffen haben hingegen keine Wartezeit und das Mindestalter für den Erwerb beträgt nur 18 Jahre (mit 16 Jahren darf eine solche Waffe bereit besessen und genutzt werden – in jüngeren Jahren nur unter Aufsicht eines Erwachsenen). Ansonsten sind die Anforderungen dieselben: Ein Hintergrundcheck, ein Lichtbildausweis, keine geistige Störung, keine Vorstrafen und keine Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Fast Vergleichbar mit dem Kauf einer Flasche Alkohol oder dem Kauf von Tabakwaren. Im Falle der Schießerei in Orlando wurde eine solche Langschusswaffe genutzt. Eine Waffenlizenz hatte der Schütze ohnehin als Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma.

Inwiefern eine Verschärfung der Waffengesetze solche Attentate und allgemein Amokläufe unterbinden kann zeigt die Geschichte Australiens. Dort kam es seit der Verschärfung 1996 zu keinerlei Amokläufen mehr, wohingegen in den vorherigen 18 Jahren 12 Amokläufe mit 100 Opfern gezählt wurden. Bei diesen Verschärfungen wurden Schnellfeuerwaffen und Schrotflinten verboten, die Vergabe für Waffenlizenzen verschärft, und die verbleibenden Waffen mussten fortan nach einem neuen nationalen Standard registriert werden. Rund eine Millionen Waffen wurden daraufhin eingesammelt und zerstört.

Im Vergleich die Bilanz Amerikas: Bis zur Verschärfung der Waffengesetze in Australien 1996, wurden in Amerika bei Massenerschießungen (mindestens 4 Tote) 159 Menschen ermordet und viele weitere verletzt. Seit 1996 kam es in Amerika zu weiteren 470 Massenerschießungsopfern.

War Omar Mateen selbst Homosexuell?

Es gibt viele Menschen, die behaupten Omar Mateen mehrere Male am Ort des Anschlags – dem Szeneclub „Pulse“ – gesehen zu haben. Dort habe er meist in der Ecke gesessen und getrunken. Er soll ebenso Dating Apps für Schwule, wie Grindr und Jack’d genutzt haben um dort mit Männern in Kontakt zu treten. Bestätigt wurde Letzteres allerdings noch von keiner Behörde.

Sollte das jedoch der Fall sein und Mateen war selbst schwul, wäre es mehr als nur ein Anschlag auf die Gesellschaft und auch mehr als nur ein Angriff auf die LGBT*-Community. Es wäre das Symptom einer Gesellschaft und einer Kultur, die Menschen in ihrem eigenen Wesen durch fehlende Akzeptanz derart korrumpiert, dass daraus ein Akt des Hasses resultieren kann. Dann ist dieses Attentat nur ein Beispiel dessen, was gesellschaftliche Ignoranz in Menschen auslösen kann.

Es ist also wichtig, nicht zu schnell Sachlagen zu benennen, nur, weil etwas perfekt in eine Schublade zu passen scheint. Es wird Zeit, dass Menschen aufhören Randgruppen noch weiter verdrängen zu wollen, und in diesem Fall, vor allem nicht eine Minderheit gegen die Andere (LGBT* und Islam) versuchen auszuspielen. Das Beispiel Australien zeigt so deutlich wie nur möglich, dass strengere Waffengesetze solche Ereignisse im Vorfeld verhindern können. Es ist bekannt, dass der IS sich vor allem diejenigen zu Nutze macht, die sich ausgestoßen und haltlos fühlen. Allgemein sollte also klar sein, dass Akzeptanz einem jeden Lebenskonzept, jeder Kultur, und jeder Religion gegenüber, solch verzweifelte Taten in Zukunft keinen Nährboden mehr geben könnte.

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